Partnerschaft
Eine wesentliche Säule unseres Lebens und unseres Menschsein ist die Partnerschaft mit anderen. Dabei geht es vorwiegend um die Partnerschaft zwischen Mann und Frau, aber insgesamt um alle Formen von Partnerschaft, die in unserer Kultur vorkommen und gelebt werden.
Partnerschaft wird im Spiegel der Ursprungsfamilie gelernt. Zur Ursprungsfamilie gehören natürlich auch Großeltern, Tanten und Onkeln oder Menschen, die in der Kindheit eine Bedeutung hatten.
Mit keiner anderen Methode, als dem Familienstellen kann man schneller und besser die verschiedenen, manchmal auch widersprechenden Einflüsse, die zu deiner Art der Beziehungsmuster geführt haben, darstellen. Wir organisieren nach genau denselben Mustern, unsere Beziehungen, ohne es zu merken und ohne es zu wollen. Es geht dabei nicht danach, was wir möchten, sondern danach, was wir können. Das Können ist aber immer zuerst die Lerngeschichte mit all ihren Komplikationen. Es ist zunächst nicht die Liebe, wie wir glauben, die uns steuert und zum anderen hinzieht, sondern die Muster und Schicksale der Ursprungsfamilie. So fühlt jemand, der den Vater früh verloren hat, eine Seelenverbindung zu einem anderen, der ebenfalls den Vater verloren hat. Der heimliche Wunsch von dem oder der verstanden und erlöst zu werden geht erfahrungsgemäß schief, weil beide an derselben Stelle eine Wunde tragen und keiner souverän genug ist, diese Problematik zu lösen. So wiederholen wir in Beziehungen immer wieder solche schmerzhaften Beziehungen, bis wir nicht mehr können oder bereit sind neue zu erlernen. Das geht aber nur über Bewusstheit, die uns die üblichen "Psychomethoden" nicht so schnell klar machen wie die Aufstellungsarbeit.
Verliebt sein ist ein Aufmerksam machen auf den Seelenverwandten, an den wir dann über die Beziehungsenergie so lange gebunden sind, bis wir uns erlösen oder scheitern. Das zweite ist meist der Fall.
Könnte man das Familienstellen an den Anfang jeder Beziehung setzen, würde sehr viel Leid und Trennungsschmerz bei uns und den Kindern, vermieden werden. Die meisten psychischen wie psychosomatischen und körperlichen Beschwerden, meine ich als Internist, sind so bedingt. Niemand klärt uns besser wie das Familienstellen darüber auf, wie unsere Partnerschaft gestrickt ist, und welche Beziehungsmuster wir gelernt haben, die uns das Leben " trotz der Liebe" zur Hölle machen lassen.
Neu lernen ist ohne den Spiegel der anderen nicht möglich. Wir tappen immer wieder in dieselben Fallen. Nur in der Gruppe, im Spiegel der anderen oder in einer die Übertragungen und Gegenübertragungen (so nennt man diese Muster) beachtenden Einzeltherapie, besteht die Möglichkeit, sich selbst auf die Schliche zu kommen.
Bei meiner Suche nach geeigneten, auch schnellen und effektiven Methoden bin ich letztendlich beim Familienstellen gelandet. Ich halte diese Methode für eine sehr gute, sehr effektive und wirksame Methode.
Nach all den Jahren meiner Tätigkeit bleibt kein Zweifel, dass das Gelingen ausreichend befriedigender Partnerschaften und die Fähigkeit, sich mit anderen Menschen auszutauschen und in den Dialog zu kommen, so dass ein Gefühl der Zugehörigkeit Geborgenheit und Nähe entsteht, eine entscheidende Fähigkeit ist, die Glück und Gesundheit ermöglicht. Im "social brain" mit seinen entsprechenden Belohnungs- und Glücksgefühlssystemen sind diese Mechanismen evolutionär verankert und können auf die Dauer nicht von Ersatzbefriedigungen kompensiert werden.
Für uns Menschen bedeuten die im Gehirn angelegten neurobiologischen Belohnungssysteme (Dopamin-, Opoid und das Oxytocinsystem), die Kernreaktoren aller Motivation sind, dass zwischenmenschliche Anerkennung, Wertschätzung, Zuwendung und Zuneigung zu finden und zu geben, entscheidend für unser Wohlfühlen und unsere seelische und körperliche Gesundheit sind. Frühe Erfahrungen von mangelnder Fürsorge hinterlassen eine Art Fingerabdruck, in dem sie das Muster verändern, nach dem Gene in späterer Zeit auf Umweltsreize reagieren. Die wichtigsten Komponenten einer Beziehung oder die wesentlichen Voraussetzungen für das Gelingen einer Beziehung oder eines kooperativen Projektes sind:
- Sehen und Gesehen werden
- Gemeinsame Aufmerksamkeit
- Emotionale Resonanz
- Gemeinsames Handeln
Das wechselseitige Verstehen von Motiven und Absichten. Die Spiegelneuronen (siehe auch da) sind eine biologische evolutionäre Gabe, die aber kaum ausreichend geschult ist, damit obiges gelingt.
In Einzelgesprächen mit den einzelnen Partnern, wird die aktuelle Sicht des einen und des anderen erarbeitet und die derzeitige Problematik dargestellt. Im Paargespräch werden dann dialogische Techniken, die zur derzeitigen Dialogstörung geführt haben angeschaut und neue Techniken vermittelt. Meist sind aber die Störungsmuster sehr viel tiefer in der sozialen Lerngeschichte verankert. Mutter und Vater als Modelle der Lerngeschichte.
Die Stellung in der Ursprungsfamilie, einschließlich der Delegationen und Identifikationen, sind oft Muster, die wir dann in den Partnerschaften wiederholen. Damit müssen wir naturgemäß scheitern, denn das Leben geht nicht rückwärts. Es kommt zu sogenannten Sollbruchstellen der Beziehung. Diese sind nicht dafür da, die Beziehung zu beenden, sondern machen uns auf die Lerngeschichte und die alten Muster aufmerksam, die in der aktuellen Situation nicht mehr angemessen sind. Mit keiner Arbeit kann das besser dargestellt werden und für die Partner erkennbar gemacht werden, als mit dem Familienstellen. Da erzählen sich die beiden, vielleicht das erste Mal im Leben über die eigene Aufstellung, die soziale Lerngeschichte, mit all ihren Mängeln und Unmöglichkeiten. Da beide aufstellen, werden sie erneut auf sich aufmerksam und können so, nachdem zu erst die Beziehungswünsche und aktuellen Muster mit einer speziellen Technik dargestellt wurden, mit neuen Informationen und neuer Sicht einen neuen Dialog beginnen.
Ich arbeite zunächst immer beziehungstiftend, denn ein Auseinadergehen, an der Sollbruchstelle, wie ich es nenne, die in jeder längeren Partnerschaft vorkommen muss, ist meist sehr schmerzlich. Sollbruchstellen sind die Zeiten und Krisen, an denen die alten Muster nicht mehr stimmen und was Neues noch nicht ersichtlich ist. Also an den Stellen, wo es nicht nur um Verhaltensänderungen geht, sondern um grundsätzliche Veränderungen, wie sie uns die Reifung unserer Seelen vorschreibt. Andernfalls werde ich auch den Abschied so gestalten, dass die neue Beziehungsform für beide mitmenschlich und freundschaftlich bleibt, vor allem wenn es gemeinsame Kinder gibt.

