Die emotionale Arbeit

Die moderne Hirnforschung und die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen in der Empathieforschung beweisen die enorme und zentrale Rolle der Emotionen. Kein Gedanke, keine Erfahrung, die nicht grundsätzlich und vor jeder anderen Verarbeitung im Gehirn, durch Emotionen eingefärbt und bewertet wird. Das ist in allen Kulturen so und wird in allen Kulturen unterschiedlich gelernt. Offensichtlich sind die genetischen Vorrausetzungen nicht sehr entscheidend, limitieren aber den biologischen und sozialen Ablauf. Das führt bei einer nicht entsprechenden Aktivitätsabfuhr von Emotionen zu einer biologischen Frustration mit extremen Folgen am psychischen und motorischen Apparat.

Deswegen ist das Wiederentdecken der Emotionalität eine Überlebensfrage. Vor allem in einem zunehmend coolen Umfeld, das scheinbar das Gegenteil fördert. Beziehungsfähigkeit, die uns als Menschen im anderen Menschen erfahren lässt, ist ohne eine emotionale Kompetenz nicht angemessen möglich. Die Spiegelneuronen- Forschung beweist jetzt besonders intensiv, wie sehr wir als nacktes und hilfloses und unvollständiges Wesen Mensch, aufeinander angewiesen sind. Menschsein ist ohne Mitmensch nicht möglich (Kaspar Hauser).

CD: Emotionen und Gefühle - Das Damasiomodell

Ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit ist von daher, die Arbeit an den Affekten, Emotionen und Gefühlen. Dabei gehe ich davon aus, dass unser Verhalten, vor allem in Beziehungen, von den erlernten Mustern gesteuert wird, die alle affektiv und emotional verankert wurden. Affekte sind die einfachsten Gemütsbewegungen. Im Hintergrund laufen sie immer mit(als Gestimmtheit), die zu Freund-Feind Assoziationen werden und uns wie instinktiv leiten. Antagonisten sind auch:

Sein-Nichtsein, hell -dunkel, Angriff-Flucht, Sympathie-Antipathie, Lust-Unlust,Gut-Böse). Dabei sind diese Affekte blind und folgen immer nur einem einfachen, erlernten Schema, auch wenn sie bewusst wahrgenommen werden. Sie können nur durch ähnlich starke Affekte, die polare Eigenschaften haben, überschrieben werden, aber niemals mit dem Verstand gesteuert werden. Dazu sind sie zu elementar und zu vital. Sie werden als z.B. als- Sei oder Sei-Nicht, oder gestillt und nichtgestillt- Botschaften, schon sehr früh konditioniert und durchfärben das Leben, wenn sie nicht, wie beim Familienstellen, überschrieben werden. Sie sind sehr körpernah und müssen auch auf der Körperebene erlebt werden. Rituale und Berührungstechniken mit positiven Affektinhalten, können hier einen Heilungsprozess in Gang setzen. Da sie in sehr frühen Gehirnstrukturen repräsentiert (DINOGEHIRN) sind, lassen sie sich vom Verstand nicht irritieren.

Affektüberschreibung und körperbetontes Neulernen mit affektstimmulierenden Methoden und Bildern, können Veränderungen bewirken. Interessant ist dabei zu wissen, dass alle Völker immer Räume hatten in denen das möglich war, z.B. Ritualisierte Tänze. Auch wir haben solche Räume: Die Autobahn, den Fußball und ähnliches mehr. Da kann man auch Affekte abbauen. Aber man lernt nicht sie angemessen im Sozialfeld an zu wenden, weil das kaum einer in der Kindheit erlernt hat. Hier sind wir eine Verdrängungskultur, mit den bereits erwähnten schweren Folgen. Einschließlich Amoklauf.

Emotionen wieder rum laufen in Gehirnstrukturen, die über das Affektgehirn gestülpt sind, ab. Damit werden die Affekte überschrieben, aber nicht abgelöst. Das emotionale Gehirn teilen wir uns mit allen Warmblütern, vor allem mit denen, mit denen wir in Gemeinschaften zusammen leben. Hunde und Katzen haben sich besonders an uns angepasst und wir an sie. Emotionen sind in ihren Inhalten so gestaffelt, dass sie angefangen bei einem biologischen Sinn als Überlebensstrategie, eine soziale und eine sinnstiftende und letztendlich eine beziehungsstiftende Seite haben. In unserem menschlichen Leben haben sie vorwiegend beziehungsstiftenden und beziehungserhaltenden Sinn. So sind die natürlichen Emotionen bei uns Menschen heute kultiviert und vor allem im Bereich der sozialen Fähigkeiten und der Fähigkeit zur Aufrechterhaltung von Bindung angesiedelt.

Leider zeigen die historische Entwicklung und die bisherigen Erziehungsmethoden, dass das Rüstzeug für eine gute emotionale Entwicklung, sträflich vernachlässigt ist. Wir haben kaum gute Strategien für Wut und Angst, geschweige denn für Trauer und Freude oder Scham und Schuld. Damit bleibt oft nur noch die Angst. Diese lebensnotwendige Emotion kann letztendlich nicht abgewöhnt werden, ohne, dass es für dieses Individuum lebensgefährlich wird. Die nicht angemessen gelebten Emotionen werden biologisch frustriert und in den Körper geschoben. Ihre natürliche Abfuhr wird unterbrochen. Die biophysiopsychische Reaktionsweise, ist nämlich nicht gelernt, sondern evolutionär geprägt und läuft, auch wenn wir sie unterdrücken, unterschwellig ab. Somit sind diese Emotionen nach ihrer Unterdrückung nicht weg, sondern sammeln sich in der Haltemuskulatur als Verhärtungen und Haltungsänderungen z.B. Wut als Zähneknirschen an. So werden aber nicht nur die Körperstrukturen, einschließlich der inneren Organe, verändert, siehe "das geht mir zu Herzen", sondern sie werden auf die Affektebene zurückgeschoben und können sich dann als Affektausbrüche den Weg nach außen erzwingen. Sehr viele psychosomatische Erkrankungen haben hier ihre Ursache. Aber auch das Sozialverhalten wird massiv beeinträchtigt, weil solche Emotionen, die nicht ausgedrückt werden können, immer mehr vermieden werden, bis sie wie eine Bombe im Bauch an unangemessener Stelle explodieren (siehe:Amoklauf; Choleriker). Hier helfen Körperarbeit und entsprechende Atemtechniken, diese angesammelten Emotionen und Affekte zu lösen. Durch das Familienstellen kann die Lerngeschichte erfahren werden und auch korrigiert werden. Ergänzende Techniken, einschließlich Körperarbeit, führen so zu einer Befreiung und Umorganisation, die schließlich zu einem emotional befriedigenden Leben führen können.

Das ist ein wesentlicher Sinn meiner Arbeit und meiner bisherigen Erfahrungen, die mein Leben begleitet haben. Komme doch auch ich aus einer Generation, die viele der Emotionen nicht haben durfte und nicht gelernt hatten, diese angemessen auszudrücken.

Dr. Christian Borck Leintobelweg 13 88175 Scheidegg-Lindenau Tel. 08387 / 993852